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Barrio La Trinidad
Corcovado (6-Tagestour 28.1. - 2.2.)
Arenal / Cano Negro (4-Tagestour 3.2. - 6.2.)
Quetzal-Finca (7.2. - 8.2.)
Punta Leona (8.2. - 14.2.)
3. Liste der beobachteten Vögel
| 1. Vorwort und Organisation |
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Teilnehmer: Regina, Jörg und Anja Eidner
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| Motivation |
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| Anja und Regina im Tieflandregenwald Corcovado | Bergregenwald am Arenal | Bergnebelwald am Cierro de la Muerte (siehe Quetzalfinka) |
Die in Costa Rica teilweise noch gut erhalten Primärregenwälder
standen im Mittelpunkt der Reise. Eine Kombination von geführten Wanderungen,
Bootsfahrten und günstig gelegenen Unterkünften ermöglichte das
Eindringen in den Dschungel. Damit konnten wir die Eindrücke unserer vorangegangenen
Costa-Rica-Reise von 1995 vertieften und erweiterten. Vor allem wollten wir
unserer jüngeren Tochter Anja (12 Jahre) Einblicke in die grandiose Natur
ermöglichen, ähnlich wie sie ihre ältere Schwester Ines damals
vor 5 Jahren mit uns erhalten hat. Als Hobbyornithologin kann ich mich dem Reiz
nicht verschließen, daß mehr als 850 Vogelarten in den verschiedenen
Lebensräumen Costa Ricas zu entdecken sind, darunter auch der Quetzal.
158 Arten
davon habe ich während der 3wöchigen Tour bestimmen können. Liebe
Ornithologen unter euch Lesern, vielleicht habt ihr auch Familie. Dann wißt
ihr Reiseziele zu schätzen, an denen jedes Familienmitglied besondere Höhepunkte
erleben kann. Wir waren mit der Familie unterwegs und jeder hat seine ganz persönlichen
bleibenden Erinnerungen mit nach Hause genommen. Einige davon wollen wir euch
hier weitergeben. Die in den Text integrierten Fotos erscheinen beim Anklicken
auf 400X600 Pixel vergrößert (ca. 40 kByte).
| Fotoausrüstung |
Cannon
EOS 100 und Cannon EOS 300, Cannon-Objektiv 28-135 mm mit
Image Stabilizer, Cannon-Objektiv 75-300 mm mit Image Stabilizer, Sigma-Objektiv
14 mm.
Filmmaterial: Kodak Chrome, Fuji Crome, Agfa Crome, 100/ 200/
400 ASA
Belichtungszeiten im Regenwald: 1/4 bis 1/15 s
Dank der Objektive mit Bildstabilisator konnten die meisten Aufnahmen
freihändig gemacht werden. Gelegentlich wurde ein Einbeinstativ verwendet.
Weitere 89 Costa-Rica-Fotos auf 11 Übersichtsseiten der Galerie Jörg
Eidner
| Organisation |
Die Reise wurde zwischen mir und Enrique, dem Autor der umfangreichen
deutschsprachigen Costa-Rica-Homepage,
per email organisiert und vor Ort den Gegebenheiten angepaßt. Enrique
wohnt im Zentralen Hochland von Costa Rica
und vermietet seit Anfang 2000 Zimmer in einem Neubau auf seinem Grundstück.
Wenige Meter entfernt wohnt Guillermo,
der uns auf 2 Touren insgesamt 10 Tage lang an auserwählt schöne Stellen
des Landes geführt hat. Eine bis in´s Detail ausgearbeitete 6-Tagestour
zum Nationalpark Corcovado gehört zu seinem Standardangebot im Netz. Hier
nahmen außer uns 5 weitere Gäste und ein zusätzlicher Betreuer
teil, da die Gruppe größer war als sonst. Die zweite Tour mit Guillermo
sollte individuell nach unseren Wünschen erfolgen. Zugegebenermaßen
reisten wir mit anderen Zielvorstellungen an als wir letztlich realisierten.
Wir hatten jedoch guten Grund, uns auf Guillermos Empfehlungen einzulassen,
denn er kennt die örtlichen Bedingungen und setzt seinen ganzen Ehrgeiz
daran, dem Gast für wenig Geld unvergessene Erlebnisse zu arangieren. Anja
war in den 17 Jahren seiner Reiseleitertätigkeit das erste teilnehmende
Kind. Sie war hochmotiviert und stand den Erwachsenen in nichts nach.
Wir können die Organisationsform jedem weiterempfehlen,
der nicht darauf besteht, daß alles "planmäßig" verlauft.
Wir haben Enrique und Guillermo als engagierte und liebenswerte Menschen
kennengelernt, die jedoch ihrerseits auch von unerfreulichen Begegnungen
mit dem einen oder anderem Gast zu berichten wußten. Die Adresse
allein garantiert noch keinen Erfolg. Eine gewisse Anpassungsfähigkeit
an die örtlichen Verhältnisse und die Menschen sollte selbstverständlich
sein.
| 2. Reisebausteine |
| Barrio La Trinidad |
Unser Reiseveranstalter Enrique wohnt unweit des Flughafens im
Dorf Barrio La Trinidad auf einem Hang, welcher windexponiert und steil ist.
Eine vom Berg aufgenommene Abendstimmung
läßt das Tal idyllisch erscheinen. Enrique ermöglichte uns während
der Zwischenaufenthalte bei ihm den email-Kontakt nach Hause und sorgte zusammen
mit seiner Frau dafür, daß wir nur saubere Wäsche im Reisegepäck
hatten. Am Ende von Mehrtagestouren hatte ich das Gefühl, wieder zu Hause
angekommen zu sein. Zumindest schrieb ich das so an Ines, und wenigstens für
den Augenblick stimmte das auch und war wichtig. Von den
geplanten 6 Appartments waren zu unserer Reisezeit 3 fertiggestellt. Wegen der
Baustelle (die es jetzt nicht mehr gibt) konnte man keinen Garten voller tropischer
Pflanzen erwarten. Dafür war der weite Blick von der Terasse hinunter ins
Tal zu jeder Tages-und Nachtzeit wunderschön.
Während der Hang von Barrio La Trinidad sonnenverwöhnt ist, zeigt
sich der dem Tal gegenüberliegende Vulkan Poas häufig wolkenverhangen.
Die regionalen klimatischen Unterschiede innerhalb des Landes sind sehr groß.
Während wir auf den nachfolgend beschriebenen Touren teilweise feuchte
Kälte und Regengüsse erlebten, war es bei Enrique heiter bis wolkig.
Es hätte sich wohl gelohnt, die unmittelbare Umgebung bis zu den nächsten
Dörfern zu erwandern, um etwas von der Atmosphäre einzufangen, die
so manchen Ausländer hier mitten unter den Einheimischen zum endgültigen
Bleiben bewegt, dem flüchtigen Besucher jedoch verborgen bleibt.
| Corcovado (6-Tagestour 28.1. - 2.2.) |
Der Nationalpark Corcovado liegt auf der Halbinsel OSA im Süden Costa Ricas.
Hier ist ursprünglicher Tieflandregenwald mit ausgeprägten Urwaldriesen
unter Schutz gestellt. Wir nahmen an einer geführten 6-Tagestour teil..
Nachfolgend teile ich euch einige Einzelheiten und persönliche Eindrücke
mit. Unser Führer Guillermo ist ein Deutscher, der seit 17 Jahren in Costa
Rica lebt. Er liebt das Land und seine Menschen und nimmt auf seinen Touren
ausschließlich die Leistungen Einheimischer in Anspruch. Die Anreise erfolgte
mit öffentlichen Verkehrsmitteln, wodurch Einblicke in den Alltag der Costaricaner
möglich sind.
| 28.Januar: Transfer und nächtliche Bootsfahrt |
Für die 6stündige Fahrt mit einem komfortablen Linienbus
in Richtung Panama hatte Guillermo Platzkarten für uns reserviert. Eine
längere Wartezeit beim Umsteigen nutzten wir, um ein vorzügliches
Mittagessen in einer Fischgaststätte einzunehmen. Den Rest der Strecke
ging es mit einem klapprigen Bus weiter, der die schlechten Schotterpisten dennoch
gut bewältigte. In der Rio Sierpe - Lodge bezogen wir unsere Zimmer mit
Blick auf den Fluß. Nach dem Abendessen erwartete uns der erste richtige
Höhepunkt, eine nächtliche Bootsfahrt. Das Motorboot glitt leise dahin.
Im Scheinwerferlicht erlebten alle Sinne grandiose Eindrücke, wie man sie
am Tage nicht bekommt.
Die
Ufervegetation zeigte sich in diesem Licht ausnehmend schön, über
uns leuchtete ein unbekannter Sternenhimmel. Neben dem Schiffsführer war
ein Guide an Bord, der ein besonderes Auge für die Tiere hatte.
Wir
waren immer wieder erstaunt, was er alles entdeckte und uns zeigte. Die Tierbeobachtungen
in diesem Licht waren eine gänzlich neue Erfahrung. Ich bedauerte, den
Fotoapparat in der Lodge gelassen zu haben. Das Scheinwerferlicht, gekoppelt
mit Blitz, hätte gute Aufnahmen ermöglicht. Neben einer Schleiereule
und den anderen im speziellen Teil genannten Vögeln
sahen wir unseren ersten Wasserläufer, einen Leguanverwandten. Allerdings
entstanden die hier gezeigten Aufnahmen dieser Art (Männchen grün,
Weibchen braun) bei anderen Ausflügen. Wir hörten, daß
Wasserläufer mit 12 km/h über die Wasseroberfläche laufen können,
was wir später zumindest auch ansatzweise beobachten konnten. Außerdem
beobachteten wir 2 Flußboas, einen Waschbären, 2 Beutelratten und
ca. 20 Fledermäuse. Trotz der leisen Motorgeräusche fühlte sich
ein Brüllaffe hoch oben im Geäst im Schlaf gestört und beschwerte
sich lautstark. Ein besonderes Erlebnis war die nächtliche Begegnung mit
1 großen und 2 kleinen Kaimanen. Der Guide fing den kleinsten mit der
bloßen Hand und zeigte ihn uns aus der Nähe. Wir durften ihn streicheln
und waren überrascht, wie weich sich sein Bauch anfühlte. Das war
das beeindruckenste Erlebnis für unsere Tochter Anja.
| 29. Januar: Bootsfahrt vom Rio Sierpe zur Bahia Drake |
Der Morgen erwachte mit Nebel über dem Fluß und Vogelgezwitscher.
Ein Pärchen aus der Familie der Zaunkönige hatte ihr Nest unter unserem
Dach. Von der Terasse aus sahen wir Amazonen, Tangaren, Königsfischer,
Ibisse, Reiher und andere Sumpfvögel. Gleich nach dem Frühstück
stiegen wir in das Boot von gestern.
Diesmal
war das Boot ein reines Transportmittel, welches uns schnell und geräuschvoll
zur Bahia Drake brachte, wo wir in einer einfachen Lodge 4mal übernachteten.
Nach einer Flußfahrt und einer langsamen Fahrt durch die Mangroven ging
es am Pazifik entlang zu einem kleinen Hafen in der idyllischen Bucht. Auf unserem
10minütigen Fußweg zur Unterkunft liefen wir teils durch parkartige
Hotelanlagen (die wegen ihrer Abgelegenheit sehr teuer sind), teils am Strand
entlang. Nach dem Mittagessen gab es 2 Stunden Freizeit, wo ich vor allem
den Braunen Pelikanen und Seeschwalben beim Sturzflug in´s Meer zuschaute.
Danach führte uns Guillermo zu einem Wasserfall, in dem wir ein erfrischendes
Bad nahmen. In unserer Bucht konnte man auch sehr gut im Meer baden, aber meist
fehlte uns einfach die Zeit dazu. Täglich gegen 17:30 Uhr versammelten
sich Papageien auf dem Berg über unserer Lodge, wo die Sonne am längsten
schien. Man konnte sie bis zum völligen Einbruch der Dunkelheit hier beobachten,
was ich mir keinen Abend entgehen ließ.
| 30. Januar: Wanderung nach Marenco und Flußmündung |
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Frühmorgens zeigte sich mit aller Deutlichkeit, daß unsere Lodge extrem gut für Ornithologen gelegen ist. Den Papageienberg bevölkern jetzt diverse Kleinvögel. Besonderer Andrang herrscht an einem Baum mit trompetenförmigen weißen Blüten. Den Nektar naschen vor allem Kolibris, Honigfresser und zuweilen auch andere Arten. Somit war die Lage der Lodge einzigartig und garantierte selbst bei knapp bemessener Zeit viele interessante Vogelbeobachtungen. Die bevorstehenden Touren sollten fast die gesamte helle Tageszeit in Anspruch nehmen, deshalb verdient der genannte Aspekt besondere Erwähnung. Unsere einfache Unterkunft hatte noch einen weiteren Vorteil. Man hörte wenig Zivilisationsgeräusche. Nach Sonnenuntergang wurde ein Notstromaggregat eingeschaltet, welches gegen 20:30 Uhr wieder abgeschaltet wurde. Für den Rest der Nacht war man auf Kerzenschein oder Taschenlampen angewiesen. In den teuren Hotels nahe am Hafen hört man abends die Stromaggregate und tagsüber die Kreissäge. Sicher zur Enttäuschung vieler, die ein paar Tage "Natur pur" erleben wollen. In einer so abgelegenen Gegend wie der Bahia Drake darf es nicht verwundern, wenn die Hoteliers ihre Einrichtungsgegenstände direkt vor Ort aus den umgebenden Urwaldbäumen herstellen lassen. Aber wer denkt schon an so etwas bei der Buchung einer Urwaldlodge ?

Heute
machten wir eine 17 km lange Wanderung teils durch den Wald teils am Strand
entlang. Dabei hatten wir unterschätzt, wieviel Trinkwasser wir unterwegs
brauchen würden. Unser Weg führte an der biologischen Station
Marenco und an einem Ara-Schutzgebiet vorbei. Da die Mandeln gerade die erforderliche
Reife erlangt hatten, durften wir darauf hoffen, nahrungssuchende Arakangas
(Hellrote Aras) an den Mandelbäumen zu erleben. Leider hatte ich das große
Pech, am Ende der Gruppe gewesen zu sein, während den anderen sehr schöne
Arakanga-Beobachtungen aus nächster Nähe gelangen. Ich sah die 3 Exemplare
nur noch flüchtig. Unser Ziel war eine Flußmündung, an der wir
Picknick machten und uns in aller Ruhe beim Baden im Flußwasser erfrischten.
Für 5 Dollar (bzw. bei Guillermo im Preis inclusive) konnte man ein Boot
mit Führer mieten und sich ein Stück flußaufwärts bewegen,
was zu Fuß praktisch nicht möglich war. Der einheimische Bootsführer
versuchte uns einen Braunschnabeltukan hoch oben im Geäst zu zeigen.
Alle 6 Bootsinsassen haben ihn mehrere Minuten selbst mit Fernglas vergeblich
gesucht, einer sah ihn schließlich wegfliegen. Ich machte die zweifellos
interessante Erfahrung, daß man sogar einen derart auffälligen und
großen Vogel im Urwald übersehen kann. Da wir später noch mehrere
Vertreter dieser Art zu Gesicht bekamen, empfand ich im Nachhinein dieses Negativ-Erlebnis
geradezu als Bereicherung.
Auf
dem Rückweg gelang es uns, neben dieser Art 2 Exemplare eines Waldtukans
- genauer gesagt, des Halsband-Arassaris -
an
einzelstehenden früchtetragenden Bäumen in einem großen Privatgrundstück
aus der Ferne zu beobachten. Weiter ging es durch
den Regenwald. Ein besonderer Höhepunkt war ein unermüdlich balzender
Kolibri in Augenhöhe vor uns im Wald. Seine Aufmerksamkeit gehörte
einem Weibchen, welches auf einem Zweiglein unter ihm saß und ihn fortwährend
beobachtete. Auf der Höhe der Station Marenco erlebten wir eine
Gruppe von Kapuzineraffen, eines davon trug ein Junges auf dem Rücken.
Nahe unserer Unterkunft hörten wir Arakangas aus dem Urwald rufen. Ein
Leguan lag vom Alkohol benommen an einem Baum und diente als Fotomodell. Es
hieß, daß er gegorene Früchte gefressen habe, was natürlicherweise
manchmal vorkommt. Gerade noch rechtzeitig kam ich zur Ankunft der kleinen Papageien
auf unseren Berg und genoß den rotangehauchten Sonnenuntergang über
der Bucht.
| 31.Januar: Insel Caño |

Nach
dem Frühstück bestiegen wir das Boot, welches uns zur Insel Caño
übersetzte. Die 300 ha große Insel ist von Regenwald bedeckt
und im Innern 110 m hoch. Bei der Überfahrt hielten wir nach Delfinen
und fliegenden Fischen Ausschau. Wir sahen beides - jedoch nur von fern.
Ein Delfin sprang hoch aus dem Wasser. Auf der Insel angekommen, ging es
zuerst in den Regenwald, wo in der Nähe der Bergspitze rätselhafte
Steinkugeln herumliegen, die von präkolumbianischen Indianern angefertigt
wurden. Guillermo zeigte uns schlafende Langohrfledermäuse in einem
ausgehöhlten Baum. Die Freizeit am Strand wurde zum Baden und Schnorcheln
genutzt. Unser reichhaltiges Picknick lockte einen Wasserläufer an.
Er hatte es auf Brötchen abgesehen, die wir ihm gern abgaben. Auf
der Rückfahrt ging ein Thunfisch an die Angel, den wir zum Abendessen
verzehrten.
| 1. Februar: Bootsfahrt nach San Pedrillo und Wanderung durch den Corcovado-Nationalpark |

San
Pedrillo ist eine Station der Nationalparkverwaltung. Hier am Strand rasten
auffallend viele Pelikane, auf den felsigen vorgelagerten Inseln zählte
ich 140 Exemplare. Im Regenwald wurde die Gruppe geteilt. Wir gingen mit unserem
zweiten Führer zunächst den Bergpfad entlang, die anderen wurden von
Guillermo durch eine feuchte Niederung geführt. Auf dem Rückweg wurde
der jeweils andere Weg eingeschlagen. Wir bewegten uns sehr vorsichtig und sahen
insgesamt 5 Aguitis, die alle sehr scheu waren. Wir hörten Brüllaffen,
Arakangas, Tukane und Vertreter aus der Familie der Hokkohühner, ohne eines
dieser Tiere zu sehen. In einem sehr feuchtem Teil des dunklen Regenwaldes sahen
wir 1 Pärchen versteckt lebender Nacktkehlreiher
aus der Familie der Tigerreiher.
Unser Weg führte teilweise auch am Strand entlang, wo wir
auf die Begegnung mit Arakangas hofften. Da diese zunächst ausblieben,
entschloß ich mich, am Strand zu bleiben, während ein Teil der Gruppe
noch ein gutes Stück in den Wald vordrang, um denselben Weg wieder zurückzugehen
(2 Stunden). Dieser Teil der Wanderung soll anstrengend gewesen sein, die Mühen
wurden aber durch den Anblick einer der giftigsten Schlange Costa Ricas belohnt.
Selbst für Guillermo, der ständig unterwegs ist, war das ein ausnehmend
seltenes Erlebnis. Unterdessen sah ich während meiner 2stündigen Freizeit
ca. 800 Pelikane in Trupps von meist 20-50 Exemplaren in Richtung San Pedrillo
die Küste entlangfliegen. 3 Paare Arakangas zeigten sich zeitweilig. Obgleich
die Entfernung zu ihnen recht groß war, beeindruckte insbesondere das
Flugbild durch seine Farbenpracht und Eleganz.
Auf dem Rückweg zur Station war der zu überquerende
Fluß bei der Station durch die Flut stark angeschwollen. Guillermo half
uns, den nunmehr schultertiefen Fluß zu durchqueren und transportierte
unsere optischen Geräte in einem Müllsack über seinem Kopf unversehrt
auf die andere Seite . Nach einem reichlichen Picknick ging es für diejenigen,
die trotz knapper Zeit noch zum Wasserfall wollten, im Laufschritt dorthin.
15 Uhr kam das Boot, welches uns zur Bahia Drake zurückbrachte.
| 2. Februar: Rückfahrt nach La Trinidad |
Ein
letztes Mal ging ich bei Tagesanbruch auf den Berg. Eine kleine Papageienart,
eine Amazone tauchte ihren Kopf weit hinein in eine Blüte meines Lieblingsbaumes
und fraß deren Inneres. Wie an den vorangegangenen Tagen stellten sich
wieder Kolibris und Nektarvögel ein. Ich blickte zur aufgehenden Sonne
über dem Regenwald und hinunter zur Bucht, die noch etwas im Dunst lag
. Etwas wehmütig verließ wenig später die herrliche gelegene
Bucht.
Hier
habe ich eine aufregende und glückliche Zeit erlebt, die ich nie vergessen
werde.
Die Heimfahrt war anstrengend. Erst nach 20 Uhr trafen wir bei Enrique ein und hatten noch zu tun mit Vorbereitungen für die nächste Tour mit Guillermo, die morgen beginnen sollte. Wir stellten unser Reisegepäck für die nächsten 4 Tage zusammen. Die schmutzige Wäsche übergaben wir Enriques Frau. Schon am nächsten Morgen hatten wir zu unserer Überraschung alles frisch gewaschen und getrocknet zurück.
| Arenal / Cano Negro (4-Tagestour 3.2. - 6.2.) |
Eigentlich
war für die nächsten 4 Tage eine Bootstour auf dem Grenzfluß
zu Nicaragua sowie in den Nationalpark Tortuguero vorgesehen. Aus Witterungsgründen
hat uns Guillermo jedoch dringend davon abgeraten. Als Alternative schlug er
eine Fahrt zum Vulkan Arenal und dem Feuchtgebiet Caño Negro vor. Wir
ließen uns überzeugen. Da wir auf dem Rückweg zu den Hängebrücken
im Monteverde-Nationalpark wollten, nahmen wir jetzt schon den für später
vorgesehenen Mietwagen in Empfang.
| 3. Februar: Reiten am Vulkan Arenal |
Unsere
Unterkunft für die nächsten 3 Nächte befand sich in La Fortuna,
einem quirligen Ort unterhalb des Vulkans Arenal. Angesichts der ungünstigen
Wetterlage sahen wir den Vulkankegel weder heute noch an den Folgetagen. Er
war vollständig im Dunst oder in einer Regenwolke eingetaucht.
Wir fuhren den Umweg über Quesada. Sehenswert ist der Stadtpark
mit aus Heckenpflanzen geschnittenen Tiermotiven und einer Kirche. Bei
Ankunft bei den Cabinas las Palmas in La Fortuna gegen 13 Uhr waren dort die
Pferde für uns gesattelt. Ein großes Lob gebührt den Pferden,
die sich von unserer mangelnden Reiterfahrung nicht irritieren ließen.
Den ganzen Tag schon war es regnerisch, aber während der Reittour wurden
wir kaum naß. Wir ritten durch Kulturlandschaft und sahen unterwegs den
in Kolonien brütenden Montezuma-Stirnvogel an einem Nistbaum mit beutelförmigen
hängenden Nestern. Am Parkplatz vor dem Wasserfall banden wir die Pferde
an und stiegen die steile Schlucht hinab. Die ungebändigte Natur stand
im völligen Kontrast zu der ausgeräumten Kulturlandschaft, der man
rund um die fruchtbaren Vulkane allerortens begegnet. Einen solchen Anblick
hätten wir nicht erwartet . Nicht nur der Wasserfall als solcher war großartig
sondern auch der umgebende Wald. Gegen 17 Uhr waren wir
zurück und irgendwie ein bißchen stolz darauf, daß es mit dem
Reiten so gut gegangen ist.
| 4.Februar: Feuchtgebiet Caño Negro |
Das Tierschutzgebiet Caño Negro (9969 ha) liegt im Norden
Costa Ricas unweit der Grenze zu Nicaragua. Der Lago Caño Negro liegt
in der Mitte des Sumpfgebietes.
Er
nimmt während der Regenzeit ungefähr 800 ha ein, während der
Trockenzeit verschwindet er größtenteils. Wenn der Wasserstand erst
einmal unter ein bestimmtes Niveau abgesunken ist, dauert es bis zur nächsten
Regenzeit, bis Boote wieder in das Gebiet hineinfahren können.
Trotzdem
kommt jeder Besucher auf seine Kosten, denn der Zugang zum Reservat entlang
des Rio Frio ausgehend vom Grenzort Los Chiles ist außergewöhnlich
reizvoll. Genau genommen ist bereits der Weg das Ziel. In La Fortuna bieten
zahlreiche Reiseveranstalter Tagestouren an. Wir checkten bei Aventuras Arenal
für 40 $ pro Person ein. Mit einem komfortablen Reisebus ging es zunächst
für 2 Stunden durch liebliche Kulturlandschaft. Unterwegs entdeckte der
örtliche Reiseleiter ein schlafendes Zweifingerfaultier und hielt den Bus
an. Auch ein ziemlich weit weg sitzender Regenbogentukan war ein Grund zum Halten.
Obligatorisch ist eine Fotopause am Leguanbaum . Dieser Baum am Flußufer
ist voller Leguane, denn die Tiere werden von der benachbarten Gaststätte
gefüttert. Dies erfolgt nicht ganz uneigennützlich, denn zuweilen
wird ein größeres Exemplar zur Bereicherung der Speisekarte geschlachtet. Gleich
beim Einschiffen in Los Chiles gingen mir wieder die Augen über, ich wünschte
mir einen 360° Rundumblick, denn überall strotzte es nur so voll Leben.

Neben
Sumpf- und Wasservögeln finden hier vor allem verschiedene Eisvögel
geeigneten Lebensraum. Bezüglich der Einzelheiten zur reichhaltigen Vogelwelt
verweise ich auf den speziellen Teil am Ende des
Berichtes. Wir fotografierten einen Kapuzineraffen bei hektischer Nahrungsaufnahme
an den Früchten einer Palme, er schien die Beute vor den Artgenossen verteidigen
zu wollen. In den Baumkronen tobten 3 Brüllaffen.
Die wohl interessanteste Beobachtung für mich war ein fressendes Zweifingerfaultier,
bei dem ich mir die Bewegungsabläufe eigentlich noch langsamer vorgestellt
hatte. An einem schrägen Baumstamm hingen 13 Langnasenfledermäuse
in Reihe und Glied, ohne den Hinweis des Führers hätten wir sie auf
jeden Fall übersehen. Nicht zu übersehen waren ein Kaiman und vor
allem 3 leuchtend grüne Männchen des vorzeitlich wirkenden Wasserläufers.
Hier entstand auch das Foto zur Illustration der nächtlichen Bootsfahrt
auf dem Rio Sierpe. Die Ufervegetation war abwechslungsreich. Auf einer Pflanze
wuchsen oben Orchideen und weiter unten Bromelien.
Nach
der bisherigen Schilderung gewinnt man leicht eine paradiesische Vorstellung
von der Gegend. Leider sind diese Zeiten vorbei, denn rundum ist der Regenwald
abgeholzt und in Viehweide verwandelt worden. Lediglich ein sehr schmaler Uferstreifen
blieb erhalten, der jetzt unter strengem Schutz steht. Affen und Faultiere
bekommt man gerade deshalb so leicht zu sehen, weil die Tiere nicht ausweichen
können. An einigen Stellen gibt die weniger dichte Ufervegetation den Blick
auf die Viehweide frei, anderswo hört man die Kühe im Hintergrund.
Trotz der überwältigenden Tierbeobachtungen bleibt somit ein Wermutstropfen
zurück. Nicht alle Besucher werden den Betrug merken. In unmittelbarer
Nähe des Caño Negro ändert sich die Landschaft. Wir genossen
den weiten Blick in das ausgedehnte Sumpfgebiet des Caño Negros, dessen
Rand wir mit dem Boot erreichten. Hier war das Reich der Waldstörche, Ibisse
und Rosa Löffler, während die unterschiedlichsten Reiherarten am Flußufer
zu beobachten sind.
Wenig
später begannen wir ein Picknick am Ufer, der einsetzende Regen vertrieb
uns dann aber in´s Boot. Wir hatten dennoch Glück, denn während
der Hin- und Rückfahrt regnete es nicht. Bei Regen wird die Plane heruntergeklappt,
durch die man kaum etwas erkennt. Das wechselhafte Wetter sorgte für
stimmungsvolle Bilder.
Diesen gelungenen Tag beendeten wir mit einem Bad in den
heißen Quellen am Fuße des Vulkan Arenals. Zunächst nieselte
es, später regnete es in Strömen. Jörg konnte gerade noch
rechtzeitig einen US-Amerikaner davon abhalten, im Schutze unseres Regenschirmes
zu verschwinden, den wir gerade erst in La Fortuna gekauft hatten.
| 5. Februar: Wanderung durch den Bergregenwald am Arenal |

Eines
sei vorangestellt: Ohne Guillermo hätten wir dort keinen Regenwald vermutet,
und so einen ausnehmend schönen gleich gar nicht. Die Bäume waren
von zierlicher Gestalt und überreichlich mit Moosen und Bromelien bewachsenen.
Schon die Anfahrt erschien ungewöhnlich. Man muß die Hotelanlage
Los Lagos durchqueren. Dafür bezahlt man 6 $ Eintrittsgebühr und darf
alle Freizeitanlagen nutzen, d.h. in den kalten und beheizten Becken schwimmen,
Kaimane besichtigen und im Wassergarten spazierengehen, wo sich Kleinvögel
tummeln.Vorerst fuhren wir eine Schotterstraße noch 3 km weiter hinauf
und kamen an einen Campingplatz. Dieser war weitläufig unter großen
Bäumen angelegt und am Ufer eines See gelegen, der bei schönem (und
Jörg auch bei schlechtem) Wetter zum Baden einlädt. Vom Campingplatz
aus führen mehrere ausgeschilderte Wanderwege in den Regenwald.
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Zunächst nahmen wir den Weg zu den Lavafeldern. Unterwegs
sahen wir mehrfach Rostbauchguans, die zu den Hokkohühnern gehören.
Kräftige Beine erlauben es diesen großen Baumvögeln, entlang
der Äste zu laufen und von Ast zu Ast zu springen, wobei die kurzen gerundeten
Flügel und der relativ lange Schwanz zur Balance genutzt wird. Witterungsbedingt
bekamen wir ansonsten kaum Tiere zu Gesicht. Der Pfad führte uns am steinigen
Hang hinauf und hinunter. Es regnete mal mehr und mal weniger, der Regenwald
zeigte dadurch ein ganz besonderes Flair und wir fühlten regelrecht, daß
erst der Regen den Wald zu dem macht, was uns so fasziniert. Leider fiel ich
auf dem Rückweg ausgerechnet in der Hotelanlage Los Lagos in voller Bekleidung
in´s Wasser und erlebte deshalb auch nicht die von Guillermo und Anja
beobachteten 5 Regenbogentukane. An den kaskadenartigen Wasserläufen
waren der häufige Bentevi sowie der schlichte Nationalvogel Costa Ricas,
die Gilbdrossel (Turdus grayi) aus der Nähe zu beobachten.
| 6. Februar: Rückfahrt nach Barrio La Trinidad |
Wieder änderten wir unseren Plan. Das Wetter versprach nichts
Gutes. Im Monteverde Nationalpark war Regen angesagt, es kommt vor, daß
man kaum die Hand vor Augen sieht.
Ursprünglich
wollten wir in aller Frühe aufbrechen, um von den Hängebrücken
und Plattformen einen Blick auf den vielgerühmten Nebelwald auch mal von
den oberen Etagen zu bewundern. Stattdessen orientierten wir auf eine Wanderung
mit Guillermo im Nebelwald des Vulkans Poas, der praktisch auf dem Heimweg lag.
Um neue Eindrücke zu gewinnen, fuhren wir einen völlig anderen Weg
zurück als wir hergekommen waren. Auf der Straße Richtung Tigra machte
Jörg plötzlich eine Vollbremsung. Ursache war eine Dosenschildkröte,
die eiligst über die Straße lief. Wir hoben sie auf und wollten sie
gerade zum Flußufer hinunter tragen, als Dorfbewohner gestikulierend auf
uns zukamen. Guillermo meinte, die Einheimischen könnten die Schildkröte
essen wollen und schlug vor, das Tier bis zum nächsten Fluß mitzunehmen,
was wir dann auch taten.
Nach
einigen Fotostopps in der üppig grünen triefend nassen Landschaft
mit kleineren Wasserfällen kamen wir in die "Kulturlandschaft". Hier tat
so mancher Blick weh, die Abholzung der Regenwälder war und ist auch in
Costa Rica Realität. Ausgedehnte Teile der Landschaft sind leergeräumt
und für Ackerbau längst nicht mehr zu gebrauchen. Mehr der Vollstängigkeit
halber wurden einige Motive auf den Film gebannt. Es war heiß und staubig,
die Motive waren karg und bedrückend. Umso größer war die Verblüffung,
als uns am Eingang zum Nationalpark Poas eisige und feuchte Kälte entgegenschlug.
Plötzlich fühlte ich mich richtig krank. Unglücklicherweise hatte
ich wegen des gestrigen ungewollten Bades keine trockene lange Hose mehr. So
fuhren wir gleich zu Enrique nach Barrio La Trinidad, wo die Sonne schien, die
uns jetzt guttat. Nachdem wir gerade noch gefroren hatten, wurde es uns
nun schon wieder zu heiß, weshalb wir unseren Spaziergang auf den Berg
erst kurz vor Sonnenuntergang begannen. Der Sturm wirbelte uns Sandkörner
in´s Gesicht. Eine Erholung war das nicht, aber die eher geringen Mühen
wurden mit wunderschönen Lichteffekten bei Sonnenuntergang und einem Regenbogen
belohnt. Zum Abendessen waren wir bei Guillermo eingeladen, von dem wir uns
nun verabschiedeten. Wir hatten in ihm einen kundigen Führer und Helfer
in allen Dingen des täglichen Lebens. Nicht nur die Touren sondern auch
seine Persönlichkeit werden wir stets in allerbester Erinnerung behalten.
| Quetzal-Finca (7.3. - 8.3.) |
Wir
nahmen endgültig Abschied von unseren Gastgebern in Trinidad und fuhren
dem nächsten Höhepunkt unserer Reise entgegen, einer Quetzal-Finca
im Bergnebelwald in der Nähe des Cerro de la Muerte (auf deutsch "Berg
des Todes"). Eine Vorbestellung ist erforderlich, neuerdings ist das per email
möglich (recajhi@sol.racsa.co.cr).
Kurzfristige Buchungen sollten besser telefonisch vorgenommen werden (+506)-381-8456.
Die etwas abenteuerliche Adresse lautet "Carretera Interamericana Sur Kilometro
70".
Die
gut ausgeschilderte Abfahrt konnten wir wirklich nicht verfehlen, da das letzte
Dorf auf dem Weg dorthin das Ortsschild Trinidad trug, wo unsere Reise begonnen
hatte. Es gibt in Costa Rica viele Ortsnamen doppelt oder mehrfach. Ein riesiges
mit dem Quetzal bedrucktes Hinweisschild an der Panamericana ließ keinen
Zweifel aufkommen, daß wir unserem Ziel ganz nahe sind. Vom Parkplatz
im Tal stiegen wir auf die halbe Höhe des Hanges, wo sich Gaststätte
und Rezeption befinden. Die Unterkünfte sind am Hang verstreute Finhütten,
von denen wir die oberste zugewiesen bekamen. Wir verließen uns darauf,
daß unser Gepäck im Auto sicher ist und nahmen nur die Tagesrucksäcke
mit. Wenn wir vorher gewußt hätten, was uns die kommende Nacht erwartet,
hätten wir unser Gepäck anders zusammengestellt oder wenigstens noch
nach Ankunft gleich umgepackt. Eigentlich hätten wir beim Betreten der
Hütten um 14 Uhr stutzig werden müssen, als uns eine eisige Kälte
von innen entgegenschlug.
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Aber
wir fieberten unserer Wanderung entgegen. In der Rezeption erhielten wir eine
örtliche Wanderkarte. Nach einer anfänglichen Fehlorientierung, die
Anja zum Glück bemerkte, gingen wir den gut gekennzeichneten Wanderweg
entlang und genossen wunderbare Blicke in´s Tal. Viele üppig mit
Bromelien behangene Bäume luden zum Verweilen und Fotografieren ein, weshalb
Jörg manchmal zurückblieb, und wir an einem Aussichtspunkt warteten.
An einer solchen Stelle machte ich ihn auf einen interessanten Baum aufmerksam,
der etwas weiter entfernt stand. Dieser weckte sein Interesse. Jörg ging
abseits des Weges zum Baum und rief überrascht "Quetzal !" Unerwartet hatte
er 2 Exemplare aufgescheucht. Er wußte, daß sich ein Männchen
in der Nähe niedergelassen hatte, ohne daß wir es jedoch im Blätterwald
erkennen konnten. Als wir standen und warteten, kam uns aus der anderen Richtung
eine US-amerikanische Schulklasse mit einheimischem Führer entgegen. Auf
die einzige Frage des Führers, ob wir einen Quetzal gesehen hätten,
zeigte Jörg auf die Stelle, wo einer sitzen müßte. Kurz darauf
flog er vor unser aller Augen ein paar Meter auf und ließ sich an einer
Stelle nieder, wo man ihn je nach Wind mehr oder weniger zwischen den Blättern
erkennen konnte.
Er
flog noch 2-3 mal auf und landete jeweils auf einem der benachbarten Bäume.
Schließlich blieb er in gebührender Entfernung von uns sitzen. Sehr
vorsichtig näherte ich mich dem Vogel, um eine Aufnahme zu machen. Da außer
mir noch viele andere den Vogel beobachten wollten (der Führer reichte
inzwischen sein Fernglas herum), konnte ich kein Risiko eingehen und verringerte
ich nach einigen Aufnahmen den Abstand nicht weiter. Jörg und Anja
arbeiteten sich langsam und vorsichtig zu mir vor und waren beim Blick durch
das Fernglas entzückt. Der Vogel saß ganze 20 Minuten auf der Stelle,
wobei die Schwanzfedern manchmal im Wind schaukelten. Nachdem ich eine Reihe
von Trogonen gesehen habe, war ich vom zierlichen Gesichtsausdruck der Männchen
überrascht, dessen kräftiger Schnabel durch die allseitig abgespreizten
Kopffedern kleiner wirkt als er tatsächlich ist. Auf den meisten Abbildungen
ist dies richtigerweise auch so dargestellt. Das gilt nicht für das Weibchen,
welches die Verwandschaft zu den Trogonen auf Anhieb erkennen läßt,
wovon ich mich am nächsten Morgen überzeugen konnte. Völlig gelöst
sahen wir dem nächsten Tag entgegen. Den noch ausstehenden längeren
Rückweg des Rundwanderweges hatten wir unterschätzt, denn es wurde
rasch dunkel. Die zahlreichen Kolibris im Wald registrierten wir schnellen Schrittes
nur flüchtig. Gerade noch rechtzeitig erreichten wir die Unterkunft.
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Vor
dem nächsten Highlight erwartete uns noch eine böse Überraschung.
Nachts war es so kalt, daß wir trotz der vorhandenen Decken ohne Zögern
in kompletter Tagesbekleidung (lange Hosen, Pullover, darunter noch ein T-Shirt)
zu Bett gingen. Da ich nicht warm wurde, plünderte ich den Inhalt aller
Rucksäcke und hörte selbst dann noch nicht auf zu frieren, als ich
bereits 4 Strümpfe übereinander angezogen hatte. Wie gern hätte
ich jetzt die Lederjacke von Jörg übergezogen, die im Koffer des Autos
eingeschlossen war. Ohne Taschenlampe erschien mir aber jeder Versuch zwecklos,
im unbeleuchteten Gelände mein Ziel zu erreichen. Wahrscheinlich hätten
die freilaufenden Hunde mir zusätzlichen Ärger bereitet. So war ich
froh, als der Tag anbrach und ich die ungemütliche Nacht beenden konnte.
Der Himmel war heiter, das allein war schon Grund zur Freude in dieser rauhen
Gegend, wo Nebel und Regen zur Tagesordnung gehören. Gegen 6.30 Uhr formierte
sich unsere Gruppe zur Quetzal-Führung, die glücklicherweise mit nur
6 Personen außer dem Führer sehr klein war. Die Schulklasse aus den
USA machte sich bereits zur Abreise fertig.
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Unser
Führer war ein anderer als der gestrige, er sprach kaum Englisch, was aber
nicht entscheidend war. Er kannte die Nahrungsplätze und verstand es hervorragend,
die Rufe des Quetzals zu immitieren. Nach einiger Zeit antwortete ein Vogel.
Wenig später sahen wir mit Hilfe des Führers den ersten "Göttervogel".
Es war ein Männchen, dem die langen Schwanzfedern komplett fehlten. Wir
sollten ihn zum Ende der Tour noch einmal sehen, falls es nicht noch eine zweite
solch verstümmelte Schönheit in der Gegend gab. Weitere 5 Männchen
mit kompletten Schwanzfedern und 3 Weibchen bekamen wir einzeln oder paarweise
zu Gesicht. Die weniger auffälligen Weibchen sahen wir ausschließlich
in der Gesellschaft eines Männchens. Vielleicht haben wir einige übersehen,
da sie bei weitem nicht so auffallen wie Männchen.
Allerdings
sollte man nicht erwarten, die Männchen ohne weiteres zu finden. Einerseits
sind die Bäume dicht belaubt und können die Vögel verdecken.
Andererseits sieht man die rote Bauchfärbung nicht immer. Man muß
das grüne Rückengefieder erst einmal vom Grün der Blätter
unterscheiden lernen, was jedoch nach der ersten Beobachtung mühelos gelingt,
weil es sich fest einprägt. Ein interessanter Nebeneffekt tritt nunmehr
regelmäßig auf, wenn wir im Sommer zu unserer Laube fahren, wobei
wir eine Ampel vor grünem Hintergrund passieren: Das Leuchten der grünen
Ampel vor Laubwald erinnert promt an den Quetzal. In Costa Rica waren wir jedesmal
hingerissen, einen dieser Vögel im Fernglas zu betrachten bzw. zu fotografieren
(was jedoch nicht besser gelang als gestern). Die Beobachtungen waren
keineswegs so langandauernd wie die gestrigen, denn die Vögel waren jetzt
in ihrer Hauptaktivitätsphase. Sie wechselten häufig den Standort
und entzogen sich wieder rasch unserem Blick. Die Wahrscheinlichkeit, Quetzale
zu Gesicht zu bekommen, soll morgens nahezu 100 % betragen, was ich mir durchaus
vorstellen kann. Wir erlebten die schönen Vögel kaum näher als
gestern, aber dafür zahlreicher und ganz anders, nicht ruhend sondern beim
Fressen der Avokadofrüchte oder beim Festigen der Paarbeziehung. Nach
90 erlebnisreichen Minuten ging es zum Frühstück mit Reis, Rührei
und schwarzen Bohnen. Inzwischen waren wir auch mit unserer kleinen Gruppe bekannt
geworden, einem US-Amerikaner und einem Ehepaar aus Luxemburg. Letztere kamen
von der Pazifikküste und fuhren weiter zu Enrique, wo sie nach einer Übernachtung
eine Tour mit Guillermo antreten wollten. Welch ein Zufall, wir fuhren in die
umgekehrte Richtung und trafen uns an dieser einsamen Stelle mitten im Bergnebelwald.
Ich nutzte die Gelegenheit, um Enrique zu schreiben, der auf meinen Wunsch hin
sogleich meinen Freunden und Verwandten zu Hause eine email schickte.
| Punta Leona (8.3. - 14.3.) |
Den
Abschluß unserer Costa-Rica-Reise bildeten 6 Tage Strandurlaub am
Pazifik im Hotel Punta Leona. Der besondere Reiz dieses Hotels liegt in
der Weitläufigkeit der Anlage, welche außer dem eigenen Strand
sowohl parkartiges Gelände mit altem Baumbestand als auch 300 ha Wald
einschließt. "Alten Bekannten" wie den Blattschneideameisen begegnet
man häufig. Anja entdeckte eine eher unscheinbare Termitenstraße
mit Wächtern zu beiden Seiten. Teile des Waldes sind durch Regenwaldpfade
erschlossen, die allesamt wenig begangen werden.
Der
"Gigant trail" ist besonders zu empfehlen, da er auf nur 900 m mit einer
Vielzahl von Urwaldriesen beeindruckt. Trotz der geringen Strapazen ist
auch dieser Pfad außerhalb der regelmäßigen naturkundlichen
Führungen praktisch menschenleer. Das hängt sicherlich mit dem
streng reglementiertem Befahren der Hotelanlage zusammen, wo an beiden
Seiten des 4 km langen Zufahrtsweges eine Sperre besteht, an der die Zugangsberechtigung
kontrolliert wird. Trotzdem ist ein Befahren der Anlage auch ohne konkrete
Übernachtungsabsicht möglich. Das haben wir vor 5 Jahren erkundet
und legten damit den Grundstein für den diesjährigen Aufenthalt
in Punta Leona. Angeregt von einer Luftbildaufnahme aus dem Katalog eines
großen Reiseveranstalters machten wir uns ein erstes eigenes Bild
von den hoteleigenen Naturschönheiten.
Den
Komfort, der natürlich seinen Preis hat, lernten wir erst in diesem Urlaub
kennen. Die hoteleigenen Internetseiten
informieren darüber. Den Wohnbereich Selvamar, ein recht schattig gelegenes
Bungalowdorf am Waldrand, können wir unbedingt weiterempfehlen. Die Vegetation
ist im Vergleich zu den anderen Unterkünften schöner und vielseitiger.
Besonders hervorzuheben sind früchtetragende Bäume, auf denen uns
später die Beobachtung von Braunschnabeltukanen gelang, welche durch auffällige
Rufe auf sich aufmerksam machten. Zuweilen sahen wir eine Familie Eichhörnchen
herumtoben oder einen Leguan auf eines der Flachdächer springen, dessen
Ankunft man auch von drinnen hören konnte.
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Nahezu täglich zwischen 6.15 Uhr und 8.45 Uhr werden
vom Hotel ornithologische Führungen angeboten. Meine Teilnahme erwies
sich als Reinfall, weshalb ich keinen weiteren Versuch unternahm. Wir bewegten
uns ausschließlich auf der Hauptstraße der Hotelanlage, wobei
nicht gerade wenig einfahrende Autos das Ambiente störten. Wegen des
Arbeitsbeginns der zahlreichen Hotelbeschäftigten ist diese Störung
vorhersehbar. Enttäuschend war auch, daß der Führer kein
Vogelbuch dabei hatte und lediglich die englischen Namen nannte, wo ein
deutscher Tourist nicht unbedingt eine Vorstellung hat, nach welchem Vogel
er im entfernten Baumwipfel oder im dichten Blattwerk eigentlich suchen
soll. Die Art der Führung war ganz offensichtlich auf amerikanisches
Publikum mit Vorkenntnissen ausgerichtet. Außer den Flügelgeräuschen
der Manakins habe ich nichts Wissenswertes erfahren und keinen erwähnenswerten
Vogel gesehen. So mußte ich mich doch auf Alleingänge konzentrieren
und habe zwar so manche Art nicht bestimmen können, dafür aber
wahre Überraschungen erlebt, z. B. als sich ein fürchterliches
Knacken im Unterholz eines trockenen Sekundärregenwaldes als ein Rotbauchguan
entpuppte, den wir bereits aus dem Bergregenwald vom Arenal kannten.
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Außerhalb der Hotelanlage bot sich der nahegelegene Nationalpark
Carara für einen oder mehrere Ausflüge an. Von der vielgepriesenen
Straßenbrücke über den nahegelegenen Rio Tarcoles gelangen uns
je nach Tageszeit Krokodilbeobachtungen von bis zu 18 Tieren unterschiedlicher
Aktivität. Im eigentlichen Nationalpark wählten wir den gekennzeichneten
Wanderweg in Form einer Acht, der eine beeindruckende Vegetation offenbart.
Infolge des dichten Pflanzenwuchses sind Sichtbeobachtungen von Tieren nicht
einfach. Die hier vorkommenden Arakangas hörten wir immerhin, auch die
Brüllaffen waren nicht zu überhören. Schließlich gab ein
Fluß den Blick nach oben frei und ich hatte das Glück, einen Königsgeier
über mir kreisen zu sehen. Anja konnte ein Agouti ganz in der Nähe
fressend beobachten, wobei es die Nahrung in die Vorderpfoten nahm. Da
wir das Tier bisher nur sehr heimlich bzw. schnell weglaufend erlebt hatten,
bin ich auf Anjas Zeichen wegen Fotografieren leider nicht sofort eingegangen.
Ich glaubte einfach nicht an die Chance, ein gutes Bild machen zu können.
Zur selben Zeit fotografierte ich einen Trogon. Deshalb gelang mir nur noch
ein schlechtes Foto vom flüchtenden Agouti. Schade, sonst hätte ich
es hier gezeigt, denn es hat eine gar merkwürdige Gestalt und so wenig
Ähnlichkeit mit den uns vertrauten Tieren, obgleich es zu den Meerschweinchenverwandten
gehört. Wir wurden im Regenwald häufig damit konfrontiert, daß
sich lange Zeit kein Tier zeigte. Plötzlich sah und hörte man viele
Tiere gleichzeitig und wünschte sehnlichst, den Augenblick viel länger
festhalten zu können.
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Einer der Hotelgäste hatte es gezielt auf das Fotografieren
von Trogonen abgesehen. Wir kamen in´s Gespräch, als ich ihn
zum zweiten Mal auf dem Waldweg gleich hinter dem Wohnbereich Selvamar
mit Stativ und Kamera stehen sah. An diesem Standort hatte er bereits 4
Arten von Trogonen beobachtet und wartete nun auf eine günstige Gelegenheit,
die schönen Vögel auf den Film zu bannen. Der bewaldete Hang
war in den frühen Morgenstunden von der Sonne beschienen, so mancher
Vogel suchte sich eine sonnige Singwarte. Man selbst konnte an vielen Stellen
im Schatten stehen und Vögel beobachten. Trotz der unmittelbaren Nähe
zu den Unterkünften habe ich niemals einen weiteren Menschen außer
uns beiden auf dem befahrbaren Waldweg gesehen, welcher glücklicherweise
für Fahrzeuge mittels Leine gesperrt war. Ich habe nicht verstanden,
warum der Führer der ornithologischen Touren die Besucher nicht hierher
führte.
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Von den 3 durch Felsnasen voneinander getrennten Stränden
auf insgesamt 2,5 km Länge ist die Playa Blanca besonders zu empfehlen.
Er ist ein Bilderbuchstrand mit weißem Sand und verschiedenen schattenspendenden
Bäumen, die nahtlos in den angrenzenden Wald übergehen.
Regelmäßig
gegen Sonnenuntergang suchen Trupps von Nasenbären diesen Strand nach Freßbarem
ab und lassen sich von Besuchern gern füttern, was Anja mit Begeisterung
getan hat
. Wir
beobachteten bis zu 18 Tiere gleichzeitig, darunter mehrere Junge, die durch
eigenartiges Zwitschern schon von weitem zu hören sind. Die Nasenbären
haben es gelernt, die Mülleimer umzukippen, zweifellos eine Plage für
die Hotelverwaltung. Am nächsten Tag sind die Spuren der Verwüstung
wieder beseitigt. Obwohl man sich hier eher von halbzahmen Tieren umgeben glaubt,
gewinnt man interessante Einblicke in das Sozialverhalten innerhalb der Gruppe.
Außerhalb dieser allabendlichen Aktivität scheinen die Tiere eine
normale Scheu vor den Menschen zu empfinden. Zweimal hatte ich das Glück,
ein Einzeltier auf Bananenpflanzen bei der natürlichen Nahrungsaufnahme
zu beobachten. Bei einer Begegnung im strandnahen Wald zeigte ein aufgespürter
Nasenbär dieselbe Fluchtreaktion wie in anderen Teilen Costa Ricas, wo
die Art weniger regelmäßig mit dem Mensch in Berührung kommt.
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Am Wochenende wird der sonst nur mäßig frequentierte
Strand Playa Blanca von Costaricanern bevölkert, die hier auch die aufgestellten
Grillgelegenheiten benutzen. Das gesamte Flair erinnert stark an den Nationalpark
Manuel Antonio, den wir vor 5 Jahren besuchten (Jörg auch diesmal). Im
Unterschied zum Nationalpark wurde ich in Punta Leona köstlich versorgt
und brauchte zum Schlafen den Park nicht zu verlassen.
Also
ideale Bedingungen für einen gleichermaßen erholsamen und erlebnisreichen
Urlaub.
Am
schönsten war die leider viel zu kurze Zeit zwischen Tag und Nacht. Wenn
die Nasenbären am Wochenende wegen Menschenandrang am Strand erst nach
Sonnenuntergang erscheinen, sehen sie aus wie kleine Teufelchen. Mehrmals
erlebten wir intensiv rot gefärbte Sonnenuntergang über dem Pazifik.
Endlich wird es köstlich kühl, und unbekannte Sterne schmücken
das Firnament. Auch der Mond scheint nicht derselbe zu sein wie jener, den wir
aus der Heimat kennen. Wie ein kleines Boot im stillen See, so liegt er über
uns. All die fremden Eindrücke nennen zu wollen, wäre ein hoffnungsloses
Unterfangen. Nahrung für die Seele ist reichlich vorhanden. Wenn wir schon
bei Superlativen sind, so sage ich ganz unter uns: Nur Corcovado ist noch schöner.
Aber das sollen nur Naturfreunde wissen, die meinem ganzen Bericht bis hierher
gefolgt sind, weil die Schönheit des Corcovado-Nationalparks in seiner
Ursprünglichkeit liegt, die unbedingt der Nachwelt erhalten bleiben soll.